Quelle: Matze Müller / www.zierfisch-web.de
Um ein erfolgreiches Pflanzenwachstum zu erzielen, kann man auf eine CO2(Kohlenstoffdioxid)-Düngung kaum verzichten. Leider sind professionelle CO2-Düngeanlagen nicht gerade preisgünstig.
Eine billige Alternative wird in der nachfolgenden Bauanleitung vorgestellt:
(Achtung: Nachbau auf eigene Gefahr!!! Ich schildere lediglich, wie ich meine Anlage zusammen gestellt habe!!! Die Anlage ist auf mein 375L-Aq. dimensioniert!)
Man benötigt:
- einen 5 L-Kunststoffkanister (Baumarkt); Preis: ca. 4 €
- eine 500 mL PET-Flasche (alternativ 1L Cola PET-Flasche ); Preis: ca. 0,25 € Pfand :-)
- Luftschlauch; Preis ca. 0,50 € / Meter
- Rückschlagsventil; Preis: ca. 2,60 €
- Flipper; Preis: ab ca. 7 €
- CO2-Dauertest (nicht notwendig, aber sinnvoll!); Preis: ca. 5 €
- Silikon (Baumarkt); Preis: ca. 3 €
- Kleine Schlauchanschlüsse aus Kunststoff; Preis: keine Ahnung (kann auch nur mit Silikon befestigt werden!)
- Für`s Rezept: Trockenhefe, Zucker und Wasser
Wir produzieren Kohlenstoffdioxid (CO2) unter Verwendung des Prinzips der alkoholischen Gärung:
Mit diesem Verfahren wird (in Wasser gelöster) Zucker unter Zuhilfenahme von Hefe in Alkohol (Ethanol) und Kohlendioxid gespalten. Allerdings ist dies kein konstant stabil laufender Prozess, da mit zunehmender Alkoholkonzentration die Hefe abstirbt und immer weniger CO2 entsteht.
Also, wie baut man eine Bio-CO2-Anlage?
Man benötigt als Ausgangspunkt erst einmal ein Reaktionsgefäß: unseren 5L-Kunststoffkanister. In die Verschlusskappe des Kanisters wird ein Loch in der Größe gebohrt, dass der Luftschlauch (oder das Ende des Kunststoff-Schlauchanschlusses) gerade so hindurchpasst (nicht zu groß bohren, sonst wird es undicht!). Nun nehmen wir die 500mL PET-Flasche (unsere Waschflasche) und bohren ein Loch in der selben
Größe in die Verschlusskappe und in die Flaschenseite ca. 2/3 über den Flaschenboden (bei dem Bohren in der Flaschenwand Vorsicht walten lassen, damit diese nicht einreißt!). Danach nehmen wir den Luftschlauch und schneiden ihn in die benötigte Länge, und zwar: von der Kanister-Verschlusskappe bis zum Boden der PET-Flasche. Als nächsten Schritt führen wir den Luftschlauch durch die gebohrten Löcher in den Verschlusskappen (oder wie unten auf die Schlauchanschlüsse), dabei muss beachtet werden, dass bei dem Kanister der Schlauch ca. 1-2 cm im Inneren der Kappe herausragt und bei der PET-Flasche der Schlauch ca. 5 cm über den Boden abgeschnitten werden muss. Nun wird ein weiteres Stück Luftschlauch zurecht geschnitten; und zwar so lang, dass er vom Standort der Anlage problemlos bis ins Innere des Aquariums geführt werden kann (eher ein bisken länger lassen; nach dem Motto: "Ich hab` fünfmal nachgeschnitten, aber der Schlauch ist immer noch zu kurz!" ;-). Dieser wird dann in das Loch in der Seite der PET-Flasche gesteckt (oder auf den Schlauchverbinder).
Jetzt werden alle Verbindungen (Verschlusskappe Kanister, Verschlusskappe PET-Flasche und Seite PET-Flasche) mit Silikon großzügig verklebt und mindestens 24h trocknen gelassen!
Wenn das Silikon getrocknet ist, wird in die Waschflasche Wasser eingefüllt (bis ca. 2 cm unter der seitlichen Öffnung) und irgendwo im oberen Drittel des langen Luftschlauches, der von der Waschflasche in Richtung Aquarium geht, das Rückschlagsventil eingebaut (natürlich nicht im Wasser!!). Dazu wird der Schlauch einfach an der gewünschten Stelle gekappt und das Rückschlagsventil wie auf der Ventilpackung vermerkt in Flussrichtung eingesteckt. Es dient dem Zweck zu verhindern, dass durch ein Vakuum (z.B. durch Drücken der Waschflasche) Wasser in die Waschflasche zurückläuft. Die Waschflasche dient als "Puffer", wenn z.B. das Reaktionsgemisch im CO2-Reaktor schäumen würde, dass der Hefeschaum über die Luftleitung nicht ins Aq. gedrückt werden kann.
Nun wird der lange Luftschlauch mit dem Flipper (oder einem ähnlichen Diffusionsgerät wie z.B. der Paffrathschale) verbunden. Der Flipper funktioniert wie eine umgekehrt laufendende Murmelbahn, wodurch die CO2-Bläschen ungefähr die zehnfache Zeit im Wasser verbleiben und zusätzlich durch das "Rollen" besser im Wasser diffundieren (sich lösen). Das Diffusionsgerät sollte (genau wie der Heizer) am besten immer am Filterausgang, dem Ort mit der größten Strömung, installiert werden, um zu gewährleisten, dass sich das eingebrachte CO2 zügig im ganzen Aq. verbreitet!
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Wenn alles soweit angeschlossen ist, kann`s endlich mit dem Mixen des Reaktionsansatzes losgehen (Merke: das Reaktionsgemisch ist auf die Größe meines Aquariums und meiner CO2-Anlage ausgelegt!):
- Der CO2-Reaktor wird vom System getrennt (Verschlusskappe wird abgedreht od. Schlauch wird vom Schlauchverbinder gelöst).
- 3,8 Liter lauwarmes Wasser werden in den CO2-Reaktor gefüllt.
- 1000 gr. Zucker werden in das Wasser gegeben.
- Die Mischung wird solange geschüttelt, bis sich der komplette Zucker gelöst hat.
Lösung abkühlen lassen .
- 8 gr. Trockenhefe (1 Päckchen + ca.1/3 Teelöffel) werden in die Lösung gegeben.
- Die Lösung wird solange geschüttelt, bis sich die komplette Hefe gelöst hat.
- Nun wird der Reaktor wieder ans System angeschlossen.
Nach ca. zwei Stunden sieht man die ersten CO2-Bläschen in der Waschflasche bzw. dem Flipper aufsteigen. Nach ca. 12 Stunden läuft die Anlage relativ gleichmäßig. Zwischendurch kann sich immer mal Schaum im CO2-Reaktor bilden, den man durch leichtes Schwenken des Reaktors wieder lösen kann. Ein Reaktionsansatz reicht für ca. zwei bis drei Wochen.
Ich halte es für sinnvoll zusätzlich einen CO2-Dauertest zu installieren (Bild oben; gibt`s auch von anderen Firmen, als von Sera, nach dem gleiche Prinzip). Hierbei handelt es sich nicht um einen Supergenauen quantitativen Test, vielmehr um eine ca. konstant-Überwachung (allerdings kann es ca. eine Stunde dauern, bis der veränderte Wert angezeigt wird!). Er funktioniert, wie alle sog. Tröpfchen-Tests, auf der Basis einer Indikatorflüssigkeit, die relativ zur Stoffkonzentration die Farbe wechselt. Dieser Test wird von Innen an die Aquariumscheibe befestigt, und man kann mit Hilfe des von Außen auf die Aquariumscheibe aufgeklebten Stickers ablesen, ob zu wenig CO2 im Wasser ist (die Indikatorflüssigkeit ist blau), ob die genau richtige Menge CO2 im Wasser ist (die Indikatorflüssigkeit ist dunkelgrün; wie in der Abbildung (durch das Digicam-Foto leider schwer zu erkennen)) oder ob zuviel CO2 im Wasser gelöst ist (Indikatorflüssigkeit ist hellgrün; In diesem Falle muss die CO2- Zufuhr sofort unterbrochen werden und das Aq. belüftet werden, damit die Fische nicht ersticken. Ein weiteres Indiz für zuviel CO2 ist, wenn die Fische "hecheln" und fast alle nahe der Wasseroberfläche schwimmen. Ist bei mir, mit dieser Anlage allerdings noch nie passiert!)
Normalerweise soll man CO2-Anlagen in der Nacht vom System nehmen, da Pflanzen bei ausgeschalteter Beleuchtung kein CO2 aufnehmen und Sauerstoff bilden, sondern umgekehrt Sauerstoff aufnehmen und CO2 bilden. Dadurch könnte (!!!) es passieren, dass die Fische in der Nacht zu wenig Sauerstoff bekommen und im schlimmsten Falle ersticken. Allerdings habe ich dies mit meiner Mischung und Anlage noch nie feststellen müssen (CO2-Test ist auch in der Nacht und direkt nach Einschalten der Beleuchtung immer im "OK"-Bereich)!!!
Übrigens: Ein netter Nebeneffekt bei der CO2-Düngung ist, dass der pH-Wert gesenkt wird (bei dieser Mischung und meinem 375L-Aq wird der pH-Wert von 7.98 auf ca. 7,03 gesenkt)!
Nun denke ich ist alles erklärt. Und alles im allem hat man eine Komplett CO2-Anlage mit Zubehör für unter 25 € !!! Ich denke dieser Preis ist nicht zu schlagen!!!
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